ZGB

     

Exkursionsberichte 2010

Exkursion der ZBG

23. Oktober 2010 Die wunderbare Welt der Moose: Exkursion ins Rappentobel am Pfannenstiel

Moose in ihrer Umwelt: Substrate und Standorte einiger leicht kenntlicher Laub- und Lebermoose werden vorgestellt, dazu Allgemeines und Besonderes zur faszinierenden Biologie der Moose.

Leitung: Dr. Edi Urmi, Dr. Ariel Bergamini

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3./4. Juli 2010 Zweitägige Exkursion ins Unterengadin: Samstag Felsensteppen bei Zernez

Bei Zernez findet sich die obere Grenze der Montanstufe. Der Inn macht hier einen Bogen, die Grenzlinie zwischen Urgestein und Karbonat verlässt die Innlinie und ist in der Nähe des Nationalparks wieder gut sichtbar. Gleich beim Bahnhof Zernez treffen wir auf einen seltenen Vertreter der Felsensteppen. Wir wandern zu seiner Ursprungspopulation beim Schlosshügel Runatsch. Hier befindet sich die höchstgelegenen zusammenhängenden Bestände der zentralalpinen Felsensteppe. Auf von Felsen und Steinmäuerchen durchsetzten Ackerterrassen finden sich hier Magerrasen mit Feuerlilie (Lilium bulbiferum), Niederliegendem Tragant (Astragalus depressus) oder Schweizer Schöterich (Erysimum rhaeticum). Dazwischen stehen mosaikartig Rosen-Berberisgebüsche. Wer etwas höher steigen mag, kann mit etwas Glück zwei Wimpernfarn (Woodsia)-Arten entdecken. In der eindrücklichern Landschaft mit Blick ins Oberengadin und zum Ofenpass lassen wir unsere Ferngläser Richtung Nationalpark schweifen auf der Suche nach Steinadler und Bartgeier. Auf unserem Wanderweg innabwärts Richtung Clüs treffen wir weitere trockenheitsliebende Vegetationsgesellschaften, und wenn die Zeit reicht, können wir einen Abstecher in die Auenlandschaft am Inn unternehmen.

Leitung: Dr. Conny Thiel-Egenter

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Sonntag Val Sesvenna (ob S-charl, Gemeinde Scuol)

Das reizvolle inneralpine Val Sesvenna schwingt sich über knapp 9 km mit einigen auffälligen Talstufen vom alten Bergbaudörfchen S-charl (auf 1810 m ü.M.) bis zum markanten Piz Sesvenna (3204 m ü.M.) mit seinem gleichnamigen Gletscher hinauf. Im untern Teil des Tales dominiert helles Dolomitgestein mit zerklüfteten Felsbändern und ausgedehnten Schutthalden, im oberen Teil prägt ein dunkler Gneis die Landschaft und Lebensräume. Dank dieser abwechslungsreichen Geologie und Geomorphologie findet sich im Val Sesvenna eine besonders grosse Vielfalt an Lebensräumen mit fast allen typischen subalpinen bis nivalen Pflanzengesellschaften. Ihre Flora ist ebenso reichhaltig mit praktisch allen Klassikern der Alpenflora, aber auch einigen besonderen botanischen Raritäten. Im untern Teil begleiten uns zuerst Erika-Bergföhrenwälder und Legföhrengebüsche (u.a. mit Daphne striata, Gymnadenia odoratissima, Pyrola rotundifolia), aber auch die typisch inneralpinen Lärchen-Arvenwälder. Dazwischen liegt die Alp Sesvenna auf etwa 2100 m mit ausgedehnten artenreichen Milchkrautweiden und Blaugrasrasen. Beim alten Obersäss Marangun auf 2300 m ü.M. verlassen wir definitiv die Gehölzstufe und bald darauf auch die Dolomitzone. In letzterer findet sich in der klassischen Kalkschuttvegetation neben vielen charakteristischen Arten auch Ranunculus parnassifolius, an einem Felsband Minuartia rupestris und im angrenzenden Polsterseggenrasen sogar Chamorchis alpina. Auf dem weiteren Weg im Silikat begleiten uns nun aber Borstgras- und weiter oben Krummseggenrasen. Falls wir es zeitlich bis zu einem Blockschuttstrom auf etwa 2500 m schaffen, werden wir mit einem ausgedehnten Schneetälchen (mit Soldanella pusilla) und einer Silikatschuttflur mit Androsace alpina, Doronicum clusii und Geum reptans belohnt werden. Ein besonderer vegetationskundlicher und botanischer Leckerbissen sind bereits weiter unten die nördlich anmutenden Quellaufstösse und Schwemmufervegetation, welche unter anderem Kobresia simpliciuscula, Trichophorum pumilum, Carex microglochin oder Thalictrum alpinum enthalten.

Leitung: Markus Bichsel

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19. Juni 2010 Jurawälder und -wiesen

"... aufs Reichste gefaltet und gefältelt, durchbrochen und gegliedert breitet sich, in hinreissender, fast italischer Anmuth das kleine Gebirg des obern Baselbiets aus, und bietet namentlich, neben schattigen Waldgründen, eine Menge von felsigen Vorsprüngen, "Flühen", die sich durch zahlreiche Felsenpflanzen auszeichnen, wie sie weit und breit nicht vorkommen." (Christ 1874) Seit Christ die Flora und Vegetation von Langenbruck und Umgebung beschrieben hat, gingen einige Kilogramm Stickstoff auf die Landschaft nieder, sind die Wälder stark aufgewachsen und haben sich verschiedene Neophyten ausgebreitet. Dennoch konnten sich einige floristische Besonderheiten in ihren speziellen Lebensräumen behaupten, welchen dank gezielter Naturschutzmassnahmen wieder Möglichkeiten zur Entfaltung geboten werden. Die Exkursion führt durch Jurawälder, entlang von Magerwiesen- und weiden und insbesondere hinauf zu den charakteristischen Felsköpfen mit ihren alpin geprägten Elementen. Und es ist zu hoffen, dass sich Christ (1874) wiederum trefflich zu den gewonnenen Eindrücken äussert: "Und so wird denn auch die Pflanzenwelt den Besuchern Langenbrucks wohl kaum eine Enttäuschung bereiten..."

Leitung: Dr. Felix Gugerli

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5. Juni 2010 Lichte Wälder bei Teufen ZH: Fortsetzung der Exkursion 2009 bei Weiach

Lichte Wälder gehören zu den artenreichsten Lebensräumen im Wald. Welche Ziele der Kanton Zürich mit dem Aktionsplan Lichte Wälder anstrebt, wie solche Flächen gepflegt werden und was dabei erreicht wird, erfahren wir auf einer Wanderung am Irchel-Südhang. Ein steiler Aufstieg vom Schloss Teufen führt uns vorbei an einem artenreichen Waldrand bis hinauf auf den Forenirchel. Dort treffen wir an der Hangkante auf Trifolium alpestre, Anthericum ramosum, Tanacetum corymbosum und weitere Arten des Lichten Waldes. Höhepunkt der Wanderung ist die landschaftlich sehr reizvolle Schartenflue, eine sehr lichte und artenreiche Felspartie mitten im Wald. Oberhalb der Felsen gibt es grosse Bestände von Vaccinium myrtillus und Vorkommen anderer Säurezeiger wie den Zielarten des Lichten Waldes Genista germanica und Genista sagittalis. Auf den Felsen finden sich einzelne Exemplare von Thesium bavarum und Trifolium rubens. An den Standorten erfahren wir, welche Massnahmen ausgeführt wurden und welche Erfolge damit erzielt wurden. Die 'offizielle' Exkursion endet bei der Schartenflue. Wer Lust und Laune hat kann weiter botanisieren. Ein einfacher Rückweg führt zur Bushaltestelle Schloss Teufen.

Leitung: René Bertiller

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2. Mai 2010 Von Flüelen durch das Reussdelta nach Seedorf und Bauen

Die Wanderung auf einem Teilstück des Weges der Schweiz um den Urnersee beginnt am Bahnhof Flüelen. Das Südufer des Urnersees ist das grösste noch bestehende Riedgebiet am Vierwaldstättersee und steht seit 1985 unter Naturschutz. Die Wiederherstellung des Reussdeltas vor 20 Jahren und die Schüttung von Natur- und Badeinseln sind bekannte Bestrebungen, um die Natur im Reusstal zu erhalten und neu zu gestalten. Wir durchwandern die Sumpf- und Riedlandschaft mit ihren interessanten Seltenheiten und Lebensräumen. Zwischen Seedorf und Isleten geniessen wir den Blick auf den See und die Geologie der Axendecke. Die Verkehrsbauten der Nationalstrasse A2 zeigen uns, dass Uri nicht nur Natur ist. Die Felsen an der Isleten sind mit einer Wärme liebenden Vegetation bewachsen. Föhren- und Eichenwälder mit einem vielfältigen Unterwuchs laden zum genauen Hinsehen ein. Je nach Interesse können wir auf guten Wegen diese felsigen Hänge hinaufsteigen oder auf dem Weg der Schweiz nach Bauen weiterwandern. Als Seltenheiten können wir Hypericum coris und weitere Föhnpflanzen finden. Wahrscheinlich aus einer Anpflanzung stammt die Manna-Esche (Fraxinus ornus), die sich in den von der Sonne beschienenen steilen Hängen und Felsen verbreitet hat. Zwischen Isleten und Bauen bewundern wir die frühere Strassenverbindung, die erst knapp 50 Jahre alt ist. Bauen hat ein sehr mildes Klima und ist für einige südliche Pflanzen bekannt, die hier im Freien überwintern können.

Leitung: Dr. Walter Brücker